Lisi Brown, Synchron-Untertitler für Ausbildungszwecke, Kalifornien
Übersetzung
Lassen Sie mich zunächst klarstellen, was ich tue: Ich bin ein Realtime Educational Captionist (Synchron-Untertitler für Ausbildungszwecke); so nennt man es in Kalifornien. Ich begleite die schwerhörigen Studenten zum Unterricht. Wenn ich für zwei Studenten arbeite, steht vor mir ein Laptop und ein Student sitzt links, der andere rechts von mir.
Es wird Sie sicherlich überraschen, dass ich in diesem Semester keinen gehörlosen Studenten begleite. Alle meine Studenten sind blind oder haben Lernbehinderungen. „Hat sie etwa ‘blind’ gesagt?“, fragen Sie sich jetzt wahrscheinlich. - Ja, die Schule, für die ich arbeite, ist auf diesem Gebiet allen anderen Schulen weit voraus. Das alles begann, als ich mit einem gehörlosen Studenten im Mathematikunterricht saß und zufällig ein blindes Mädchen dieselbe Klasse besuchte. Sie setzte sich neben mich und bat mich um die Erlaubnis, den ASCII-Text der Unterrichtsaufzeichnungen nutzen zu dürfen. Seitdem sind wir damit sehr erfolgreich.
Lassen Sie mich das näher erklären. Normalerweise gebe ich denjenigen Studenten, die keinen Zugriff auf einen Computer haben, einen Computerausdruck. Diejenigen, die einen Computer besitzen, erhalten den Text im ASCII-Format. Die blinden Studenten verfügen über eine Bildschirmlesesoftware - davon gibt es verschiedene -, die ihnen den im ASCII-Format vorliegenden Text laut vorliest. In der Vergangenheit nutzten sie Aufzeichnungshilfen, was sich jedoch als uneffektiv erwies, weil sie zunächst jemanden mit der Eingabe des Textes beauftragen mussten. Zeichneten sie den Unterricht auf Tonband auf, mussten sie den Text selbst in die Schriftform bringen und hatten daher kaum Zeit zum Studieren.
Die Studenten sind überaus begeistert von der neuen Möglichkeit und haben nun genügend Zeit, sich auf das Studium zu konzentrieren. Sie können nach bestimmten Wörtern suchen; unerwünschte Textteile löschen, Wichtiges markieren usw. Ich habe für diese Studenten Unterrichtsfächer wie Differenzialrechnung, C++-Programmierung, Chemie und Mathematik stenografiert.
Ich arbeite auch mit Studenten, die Lernschwierigkeiten haben. Eine Studentin hat Probleme damit, gesprochene Sprache aufzunehmen, kommt aber gut zurecht, wenn sie den Text liest. Auch sie nutzt unseren Service gern. Außerdem gibt es Studenten, die körperlich nicht in der Lage sind, sich Notizen zu machen, weil sie beispielsweise querschnittsgelähmt sind oder eine ähnlich geartete Behinderung haben. Dank meiner Hilfe müssen diese Studenten nicht eine Woche lang auf die Niederschrift warten.
Man kann nicht die gesamte Zeit über wörtlich stenografieren. Das entspräche auch nicht unbedingt den Bedürfnissen der Studenten. Wenn der Lehrer sagt: "Leg dies dorthin und das dahin“, so ist das eine wertlose Information für den Studenten. Man muss umschreiben, was mit Bezeichnungen wie „dorthin“, „dahin“ usw. gemeint ist. Man muss eine Reihe von Umschreibungen geben. Während man ein Diagramm beschreibt, das der Dozent an die Tafel bringt, muss man auch im Gedächtnis behalten, was gesagt wurde, und zudem fähig sein, dies wiederum zu umschreiben. Nicht alles, was gesagt wird, ist relevant. Die Studenten wollen nicht lesen, dass der Professor jemandem oder sich selbst die Frage zugemurmelt hat, wo denn der Bleistift geblieben sei. Meist sind die Studenten nur an den wichtigen Informationen interessiert.
Sie sollten als Stenograf nicht versuchen wie ein Autopilot zu arbeiten. Sie sind wie ein menschlicher Computer, sieben aus dem Geplapper das Wichtige heraus, bearbeiten die Informationen. Wenn nötig, hängen Sie zusätzliche Informationen an oder stellen Fragen. Sie müssen sich um Ihre Studenten kümmern. Wenn man versuchte, wörtlich zu stenografieren, würde man in vielen Situationen einen Herzinfarkt bekommen.
Ich hoffe, ich jage Ihnen keinen Schrecken ein. Es ist wirklich Stress, und dieser Stress ist anders als der Stress, den die Gerichtsreporter haben. Aber denken Sie auch daran, wie vielen Menschen mit verschiedenen Arten von Behinderungen Sie helfen könnten. Dieser Markt wächst hier drüben enorm.
Die Untertitelung von Fernsehsendungen ist eine völlig andere Sache. Dafür ist eine andere Software erforderlich. Es gibt Online- und Offline-Software. Die Online-Software ist für Live-Untertitelungen, etwa für CNN Live, gedacht. Die Offline-Software kommt bei Videos und Sendungen, die bereits aufgenommen worden sind, zur Anwendung.
Ich möchte hinzufügen, dass die Vereinigung der Schwerhörigen der Meinung ist, dass der Untertitelungsservice auch für Blinde, anderweitig körperlich Behinderte sowie Lernbehinderte unschätzbar wertvoll ist.
Eines habe ich in Bezug auf die Menschen mit Hörbehinderung ausgelassen: Immer wieder erzählen sie mir, dass es ihnen im Unterricht unmöglich sei, den Lehrer zu beobachten und sich zusätzlich Notizen zu machen. Wenn sie wegsehen, um sich etwas zu notieren, verpassen sie den nächsten Teil der Vorlesung. Die Fähigkeit wegzusehen, etwas niederzuschreiben und auch noch zu hören und zu verfolgen, was vor sich geht, ist etwas, das wir als selbstverständlich ansehen. Aber bevor die Schwerhörigen die Möglichkeit der Schriftsynchronisation nutzen konnten, gab es für sie keine Möglichkeit, sich problemlos Notizen zu machen, ohne etwas zu verpassen.
Ich möchte die Litigations-Unterstützungssoftware nutzen, damit der Student mithilfe von Notizen in einem Drop-Down-Fenster mit mir interaktiv kommunizieren kann.
Schließlich möchte ich davon berichten, dass der Gouverneur von Kalifornien bereits seit sechs Jahren jährlich 2,52 Millionen Dollar für die Untertitelung von Videos für Ausbildungszwecke an den Schulen und Universitäten bereitstellt. Ich würde sagen, das zeigt, welcher Wert der Schriftsynchronisation auch vonseiten der Gesetzgebung beigemessen wird.